Kirchturm als „Mast“ für schnelles Internet

Allgäuer Zeitung – Viele Krugzeller beklagten eine schlechte Versorgung. Jetzt soll Richtfunk gute Verbindungen ermöglichen.

wll_krugzellUnter anderem im Kirchturm von Krugzell soll eine Richtfunkantenne dafür sorgen, dass die Einwohner dort schneller im Internet surfen können.Foto: Dominik Berchtold

 

 

 

 

 

Altusried – Die Anregung kam von Gewerbetreibenden aus Krugzell. Unter anderem die Inhaber der Gärtnerei Hiedl im Ortsteil Wasserschwenden vermissten schnelles Internet und baten die Gemeinde dringend um eine Lösung des Problems. Die ist nun vom Gemeinderat Altusried auf den Weg gebracht worden.

Die Firma Allgäu DSL bietet den Krugzellern schnelles Internet über Richtfunk. Das Besondere: Die Antenne wird auf dem Kirchturm installiert. Nein, das ist nichts Ungewöhnliches, sagt Allgäu-DSL-Geschäftsführer Neill Hogarth aus Wertach nach der Gemeinderatssitzung. „Das gibt’s rund zwanzigmal im Allgäu.“ Das sei eine sehr gute Lösung, weil keine Masten gebraucht würden. Richtfunk sei nur auf Sichtweite möglich. Häuser oder Bäume würden das Signal stören. Mit der Diözese Augsburg gebe es eine Vereinbarung, dass Kirchtürme zum Weiterleiten der Signale benutzt werden dürfen, wenn der Pfarrer vor Ort zustimmt und auch der Pfarrgemeinderat. Die Kirchen-Verantwortlichen hatten laut Hogarth allerdings zunächst darum gebeten, Alternativen zu prüfen. Auch das sei geschehen, aber ohne eine praktikable Lösung zu finden. Es sei untersucht worden, ob zwei Hochspannungsmasten als Antennenstandort geeignet wären. Vergeblich. Das Kuriose. Laut Hogarth fehlte dort der „nutzbare Strom“, denn Hochspannungsleitungen transportieren in der Regel Strom mit einer Spannung von 25 000 Volt, haushaltsüblich und auch für solch eine Richtfunkantenne nötig sei normaler Haushaltsstrom mit 220 Volt.

Die geplante Antenne im Kirchturm von Krugzell werde kaum sichtbar sein, sagt Hogarth. „Sie wird in der Schallöffnung montiert und farblich angepasst.“ All das sei bei einer Bürgerversammlung Ende August in Krugzell besprochen worden. Dabei sei es auch um die Strahlung des Richtfunks gegangen. Die Sorgen der Anwohner seien ausgeräumt worden. Die Strahlung sei minimal, kaum nachweisbar, habe auch Gemeinderat Roland Kauer ergründet. „Die Strahlung geht bei uns auch nicht durch Glasfenster oder Mauern, die Signale müssen durch eine Außenantenne aufgefangen werden“, sagt Hogarth. Er hofft, dass sich in Krugzell genügend Kunden fürs schnelle Internet interessieren.

Allgäu DSL arbeitet mit der Firma ID.KOM in Kempten zusammen. Von dem Betriebgsgebäude dort geht das Funksignal weiter auf das Müllheizkraftwerk in Kempten, dann auf das Dach des Gruppenklärwerks in Lauben und schließlich in den Turm der Krugzeller Kirche. Bürgermeister Joachim Konrad sagte im Gemeinderat: „Aus Wertach weiß ich, dass das mit dem Richtfunk funktioniert.“ Glasfaser in Flächengemeinden „bis in den letzten Winkel zu verlegen“ sei schlichtweg nicht finanzierbar.

Richtfunk sei eine gute Alternative. Dass die Zusammenarbeit mit den Altusriedern so gut geklappt hat, freut den Geschäftsführer von Allgäu DSL. „Das ist der Hammer, dass wir nach nur zwei Monaten eine tragfähige Lösung hinbekommen haben.“ Die Sparkasse Allgäu habe zugesichert, für den notwendigen Infrastrukturausbau die Vorfinanzierung zu übernehmen.