Von Wildpoldsried auf die Galapagos-Inseln
Allgäuer Zeitung – Experten zeigen, wie ein kleines, autarkes Stromnetz funktioniert. Warum Erkenntnisse aus dem Versuch weltweite Bedeutung haben

Ein Blackout, also ein kompletter Stromausfall, ist für die Gemeinde Wildpoldsried (Oberall­gäu) kein Horrorszenario. Sie kann sich im Ernstfall mit regenerativer Energie vollkommen selbst versorgen. Wie ein solches Inselnetzwerk, in der  Fachsprache Microgrid ge­nannt, funktioniert, haben die Part­ner  des Forschungsprojekts Iren2 am Mittwochabend demonstriert.

Solche Netzwerke sind vor allem in Gebieten, in denen das Stromnetz nicht  so stabil ist wie in Deutschland,  von großer  Bedeutung, sagte Andreas Armstorfer von der Hochschule Kempten. So kämen Er­kenntnisse aus lren2 bereits auf den Galapagos-Inseln zum Einsatz. ,,Technik, die in Wildpoldsried  ge­testet, entwickelt und gebaut wird, hat weltweite Bedeutung. Darauf können wir stolz sein“, sagte Bür­germeister  Arno Zengerle.

Wie das Inselnetzwerk funktio­niert, haben Alexander Hammer und Dr. Arvid Amthor von Siemens in vier Schritten demonstriert. Zuerst wurde in den 32 teilnehmenden Haushalten in mehreren Straßenzü­gen bewusst der Strom abgestellt, also ein Stromausfall simuliert. Die Beobachter sahen, wie das Licht in einigen Häusern ausging. Dann wurde die Stromversorgung in dem betroffenen Netzabschnitt als Insel­netz wieder hergestellt – das Licht ging wieder an. Nun wurden die Häuser mit der Energie versorgt, die die Wildpoldsrieder etwa durch Photovoltaikanlagen selbst erzeugt haben. Im nächsten Schritt synchronisierten die Experten das Inselnetz wieder mit dem öffentlichen Netz. Schließlich zeigten sie auch, dass das Ganze auch ohne Unterbrechung funktioniert, also ohne Stromausfall. Quasi auf Knopfdruck schalteten sie den Netzabschnitt auf Inselbetrieb und wieder zurück.

Die Erkenntnisse, die die Wissen­schaftler aus diesem Versuch gewin­nen, sind überregional von großem Wert und tragen dazu bei, auf Dauer große Kraftwerke durch kleinteilige Stromnetze ersetzen zu können, sagte Armstorfer. Microgrids kön­nen auch bei Sturm oder Übertlutungen einspringen und für Versorgungssicherheit sorgen. (kam)